Mit den Augen der Kinder

Unterwegs in Lesotho

Ein kleiner Beitrag vorweg.

Ich glaube an die Macht der Bilder. Täglich werden tausende von Fotos ins Netz hochgeladen, die meisten davon braucht die Welt nicht. Wir, meine Partnerin Anna und ich, wollen nun Kindern aus Lesotho, genauer Mokhotlong, die Gelegenheit geben uns ihre Bilder aus ihrem Leben zu zeigen. Mit Kameras im Gepäck reisen wir am 19.3.2017 ins ferne Lesotho und kommen hoffentlich mit vielen Eindrücken ins wohlbehütete Leben zurück. Wir werden versuchen uns von unterwegs zu melden, wenn das Internet es hergibt.

Auf dem Bild sind schonmal eine kleine Anzahl gesammelter Kameras. Sie werden in Mokhotlong bleiben. Den Spendern ein Dankeschön.

Kameras-2

 22.März 2017

Das Abenteuer beginnt.

Am Morgen haben wir gleich eine Verabredung mit Me Maleratu, einige kennen sie. Sie arbeitet im District Council und begleitet uns zur Primary School of Mokhotlong. Die Direktorin und der Klassenlehrer einer dritten Klasse unterstützen uns phantastisch und wir verabreden uns gleich für den nächsten Tag. Die Klasse besteht aus über 70 Schülern. Von denen werden 40 für das Projekt ausgesucht. Diese werden nochmal in zwei Gruppen geteilt, damit auch jeder der Schüler eine Kamera bekommt. Mit dieser Absprache verabschieden wir uns und sind auf den kommenden Tag gespannt. Mit solch einer Unterstützung haben wir nicht gerechnet und fahren dementsprechend euphorisch ins Hotel zurück, um uns vorzubereiten.

23.März 2017

Alles ist möglich, nichts ist sicher. Pünktlich um 8:00 Uhr erscheinen wir schwer bepackt an der Schule. Hier wird noch von einem Schüler mit einer Glocke zum Unterricht geläutet.

1w5a7386.jpg

Eine kurze Vorbereitung und unsere ersten 20 Schüler dürfen rein. Zum aufwärmen und Kennenlernen gibt es ein kleine Geografiestunde (wo liegt überhaupt Deutschland und wer bitte kennt Dossenheim?) auf Englisch, der Klassenlehrer übersetzt auf Sesotho, der Landessprache in Lesotho. Die Schüler sind im Alter zwischen 8 und 10 Jahren. Englisch ist zwar ein Unterrichtsfach aber die Kenntnisse reichen doch nicht so weit. Sie hören aufmerksam zu und sind sehr diszipliniert.

Dann endlich wurden die Kameras verteilt. Säuberlich in Tüten verpackt lagen sie vor den Kindern. Ehrfurchtsvoll saßen sie vor ihrem Päckchen, der Lehrer schärfte ihnen nochmal ein wie vorsichtig sie damit umgehen müssen, übrigens eine Ermahnung die  sehr häufig kam. Und schließlich durften sie sie auspacken. Ein kleiner Einführungskurs, wo schalte ich sie überhaupt erstmal ein. Endlich, endlich wurde alles fotografiert aber auch wirklich alles. Dann gab es Mittagessen für die Kinder, eine Schüssel Maisbrei für jeden. Wir fuhren ins Hotel und luden die Kameras nach, denn am Nachmittag sollten sie endgültig verteilt werden. Für einen Nachmittag und einen Abend hatten sie eine eigene Kamera. Gefragt waren Fotos aus ihrem Leben.

Eine spannende Frage blieb: Wie kommen die Kameras zurück? Hatten die Ermahnungen damit sorgfältig umzugehen Erfolg?

24.März 2017

Wie bespreche ich Fotos in einer Sprache, die ich nicht kann?

Indem man einen engagierten Klassenlehrer an seiner Seite hat. Von 20 Schülern kamen 17. Es lag aber auch daran das ein Sportfest lief und kein normaler Schulbetrieb war. Einige dürfen noch nicht allein zur Schule gehen, mussten also auf ihre Geschwister warten und andere ähnliche Gründe. Die Kameras kamen heil mit vielen Bildern zurück.

Dem Himmel sei Dank (oder den Elektrizitätswerken), es gab wieder Strom. So konnten wir uns am Laptop die Fotos ansehen. Es gestaltete sich etwas mühsam. Die Kinder sind nicht nur aufmerksam und diszipliniert, sondern auch schüchtern und wir wollten auch noch gerne wissen, warum sie dieses Foto gemacht haben. Es hat eine Weile gedauert bis wir mit allen durch waren. Zum Schluss waren alle zufrieden

und sehr, sehr müde. Ich finde Anna und ich haben uns das Wochenende verdient und werden es in den Bergen verbringen. Am Montag geht’s mit der zweiten Gruppe weiter.

28.März 2017

Einen kurzen Augenblick gewähren uns die Kinder in ihr Leben. Eine große Rolle spielen die Familie, wozu auch ihre Tiere gehören, ihre Freunde und Freunde ihrer Geschwister.  Beeindruckend, wie sie uns an ihrem Leben ohne Scham teilnehmen lassen. Es sind teilweise sehr intime Bilder, die uns kein Erwachsener zeigen würde.

Die zweite Gruppe der Kinder sind in der vierten Klasse. Ihr Englisch ist besser, aber auch sie sind sehr diszipliniert und aufmerksam. Diesmal haben wir diese Gruppe nochmal in zwei Gruppen á 10 Schüler geteilt. Es war viel einfacher auf jeden Schüler einzugehen.

Aber auch wir lernten schnell und konnten somit unseren Workshop besser durchführen. Inzwischen befinden sich 500 Fotos der Kinder auf der Festplatte. Es wartet also noch eine Menge Arbeit auf uns.

Es bleibt spannend

Funktionen der Kamera

Läuft

Mit nur 10 Schülern, die auch noch besser Englisch sprechen, können wir die Bildbesprechung sogar ohne Lehrer durchführen. Und wenn einer nicht weiter kann, hilft der Klassenkamerad. Und so sind wir bald fertig, um für die letzten Schüler die Kameras wieder an den Start zu bringen.

Ein Besuch der Bibliothek von Mokhotlong war für den Nachmittag geplant. Die Leiterin Mme Maphane erwartete uns und war mit einem Interview einverstanden.

Die Bücher kommen aus der Nationalbibliothek aus Maseru, die letzten drei Jahre kamen leider keine mehr dazu. Die Gründe sind kein Geld, kein Auto und keine Zeit die Bücher aus Maseru abzuholen. Die meisten Bücher sind in englischer Sprache, nur wenige auf Sesotho. Genutzt wird die Bücherei von Schülern zum lernen und von Lehrern, um den Unterricht vorzubereiten.  Mittwochs und Freitags werden Filme gezeigt, die nach Mehrheit ausgesucht werden.

Wünschenswert wären neue Bücher und Filme. Vielleicht würde die Bücherei dann auch stärker genutzt werden.

29.März 2017

Eigentlich hätten Anna und ich „Schulfrei“ wir wurden aber auf ein Lehrertreffen eingeladen. Die Schulleiter sollten über ein „Baumprojekt“ im Distrikt Mokhotlong informiert werden. Unsere Aufgabe war unser Fotoprojekt vorzustellen. Anna und ich hatten klare Arbeitsteilung: Technik und Fotos waren mein Job, Anna lieferte den Text dazu. Für den nötigen Strom hatten die Eltern Geld gesammelt, leider gab es kein Strom und die Anwesenden mussten sich über den kleinen Laptopmonitor die Bilder ansehen. Alles ist möglich, nichts ist sicher.

In dem Baumprojekt geht es darum, dass in Schulen von den Schülern Obst- und Pinienbäume gepflanzt und gepflegt werden sollen, um der Bodenerosion entgegenzuwirken und später, wenn sie dann größer sind, Schatten spenden. Die Wortmeldungen hielten sich sehr in Grenzen. Auch als Anna und ich dann unser Projekt vorstellten, war das Interesse, so unser Eindruck, dürftig. Ein Wunsch war, das die Kameras, die später im Office bleiben sollten, auf die Schulen verteilt werden. Wie gesagt, ein Wunsch. Und so endete der Vormittag.

8 Gedanken zu “Mit den Augen der Kinder

    1. Avatar von Günter Nastansky-warnecke

      bin schon beeindruckt wie schnell und perfekt die Kleinen mit den Kameras umgehen können. Das muss ihnen auch offensichtlich richtig Spaß machen

      Like

  1. Avatar von Malerato Phakisi

    What an impressive start dispite the language barriers. Hopefully the class teacher Ntate Lekanyane will play a vital role for this project to become a success.
    Thanks once more to you Elke and Anna for being so passionate to collect the daily lives and experiences of Basotho Children in school and at their homes. This is going to reveal many issues; pleasant and unpleasant, therefore calling for interventions. Hope this project will also adresses the plight of Basotho Children and really needs of them.
    Thanks to the Donor support in Germany. The working relationships between Dosseheim City Council with Mokhotlong District Council and it’s communities are becoming stronger. Surely North-South patnership has been realized, thanks again to ASA-KOMMUNAL project funds. Keep it up guys and wish you all the best.

    Gefällt 1 Person

  2. Avatar von Kyung-Hee Lee-Schumacher

    Unglaublich,lieve Elke, dass Du jetzt in Mokhotlong bist! Auch bist du ja sogar schon in Sani! Das Foto Projejt läuft so gut mut Begeisterung!!!! Herzlichen Glückwunsch! Die Basotho Schulkinder sind glücklich und ich bin sicher, daß die ganze Mokhotlong Gemeinde sich freut, durch ihre Kinder den Alltag bewusst in den Fotos darzustellen!
    Ich wünsche Euch noch eine wunderschöne Woche mit vielen schönen interessanten Fotos und auch mit lebendigen Erfahrungen mit Mokhotlong Kindern und Mokhotlong Gemeinde! Alles Gute!
    Kyung-Hee

    Like

  3. Avatar von Ursula Hilpert

    Ihr lieben Beide,
    wie schön, dass wir durch den Blog so nah Anteil nehmen können, nochmals vielen Dank dafür! Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.
    Mit vielen lieben Grüßen aus dem frühlingshaften Dossenheim

    Like

  4. Avatar von Schalk

    Ich habe den Bericht mit viel Interesse gelesen, da ich Ende Juni für drei Jahre als Fachkraft für Entwicklungszusammenarbeit nach Lesotho ausreisen werde. Vielen Dank für die netten Eindrücke!
    Liebe Grüße!

    Like

Hinterlasse einen Kommentar